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Freitag, 17. Dezember 2010

Die Stadionabreißer

Die Stadt Remscheid möchte aus Profitgründen das traditionsreiche Röntgenstadion abreißen, um an gleicher Stelle einen Baumarkt eröffnen zu lassen. In der Stadt hat sich jedoch bereits Widerstand gebildet. Das Stadion wird von verschiedenen Schulen und Sportvereinen genutzt, unter anderem dem FC Remscheid. Gestern fand im Stadtrat eine öffentliche Sitzung statt, in der es auch um den Stadionabriß ging. Diese ließ ich mir nicht entgehen. Frühzeitig beendete ich meinen Arbeitstag um dem aufkommenden Unwetter ein Schnipchen zu schlagen und rechtzeitig im Rathaus zu sein. Vor und im großen Sitzungssaal waren sie dann, die Abgeordneten der Stadt Remscheid. Auf mich wirkte dies zuerst alles ziemlich unsymphatisch. Das ist aber wohl eher eine subjektive Empfindung, da ich in Gemäuern dieser Art allenfalls schlechte Erfahrung gemacht habe. Platznehmend auf der Zuschauertribüne erwartete ich den Sitzungsbeginn. Kurz vor Start der Debatte kamen noch ein Dutzend junge Remscheid Ultras und ein alter Puhvogel, die schlußendlich eine gut gefüllte Tribüne bildeten. Vom FCR waren außerdem noch drei Vertreter anwesend. Vorstandsmitglied Bernd Koch kam noch zu uns, um sich für die Anwesenheit zu bedanken und gleichzeitig absolute Disziplin einzufordern. Also auf Fußballgewalt hatte ich es ohnehin nicht abgesehen.

Nun ging es los. Positiv zu erwähnen ist, das die Stadtverordneten, trotz widriger Wetterbedingungnen, allem Anschein nach vollzählig anwesend waren Zuerst wurden die Sitzungspunkte verlesen und der Kleinkram schnell erledigt. Nun ging es um unser Stadion. Präsident Maar ging von der Zuschauertribüne ans Mikrofon und stellte seine Fragen an die Parteien. Eine Fraktion nach der anderen nahm Stellung. Als erstes die CDU. Fraktionschef Siegfried machte einen Souveränen Eindruck und sagte zum Schluß, daß die CDU gegen den Abriß ist. Auf Einzelheiten gehe ich jetzt nicht ein, da das viel zu lange dauern würde. Im Anschluß an seine Ausführungen kam es zu Applaus von den Rängen. So etwas hat die Rentner Partei CDU auch schon lange nicht mehr erlebt. Offene Zustimmung hauptsächlich von Jugendlichen. Danach kam der SPD Fraktionschef Meineke zu Wort. Die gut besuchte Tribüne hat offensichtlich Eindruck gemacht, den so ganz klar wollte er sich nicht festlegen. Trotzdem war die Quintessenz seiner Ausführungen Abriß. Es folgten FDP und Grüne. Diese beiden waren windelweich und machten nur nichtssagendes bla bla bla. Beide sind für den Abriß, haben sich jedoch nicht getraut es klar zu sagen. Zudem haben sich diese beiden "Volksvertreter" noch nicht einmal getraut öffentlich zu sagen, für welche Parteien sie sprechen. Als fünftes folgte Wieland Gühne von der WIR (Wir für Remscheid). Wie ich während der gesamten Sitzung feststellen konnte, ist dieser Mann ein ziemliches Rumpelstielzchen. Anscheinend mit ganzem Herzen bei der Sache, nicht professionell wirkend, dafür aber kein Abbild eines Politbonzen. Er brachte es sehr gut auf den Punkt. Sollte die Stadt das Wunder vollbringen und ein neues gleichwertiges Stadion bauen, dann ist die WIR für den Abriß, falls nicht so gegen den Abriß. Als letztes kam noch die SED/Linke. Die Sprecherin war aufgrund ihres defektem Mikrofon schlecht hörbar, sprach sich aber auch gegen den Abriß aus. Eine Aussprache gab es nicht, da die Politiker nur auf die Fragen antworten durften. Trotzdem eigentlich ein Sieg für den Sport. Bis auf die SPD sprachen sich alle nicht für den Abriß aus, wobei Grüne und FDP auch für den Todesstoß sind, es jedoch nicht offen zugaben. Leider regiert in Remscheid aber rot/grün und bei Politikern weiß man nie, was das -im wahrsten Sinne des Wortes- Geschwätz von gestern am Nächsten Tag noch zählt.

Es stellt sich überhaupt die Frage, wie man einer Stadt und den Bürgern, für einen banalen Baumarkt ein funktionsfähiges großes Stadion nehmen will und damit ein Stück Heimat, Identität und Spaß. Außerdem wären sportliche Aufstiege damit vermutlich Ad Acta gelegt, weil der DFB mit seinen strikten Sicherheitsbestimmungen bestimmte Voraussetzungen festlegt, die dann nicht mehr zu erfüllen sind.

Warum verkaufen die Politiker eigentlich nicht das Rathaus? Bestes Bauland in zentraler Lage. Der tolle Baumarkt würde bestimmt ein Halle zur Verfügung stellen, in der dann Ratssitzungen stattfinden können. Ein Riesengeschäft!

Ein Bonbon gab es als nächsten Sitzungspunkt. Da trat ein Lehrer Marke Linksrevolutionär ans Mikrofon und beschwerte sich, daß er und sein Kollegium nun auch monatlich Parkausweise kaufen müßen. Das müßen die normalen Bürger, die in dieser Strasse wohnen auch. Er meinte allen ernstes, daß dies nun viele Lehrer von Remscheid abhalten würde. Das sagt ausgerechnet einer jener Leute, die ansonsten dafür sind, das deutsches Geld in der ganzen Welt verjubelt wird. Alle Parteien konnten dies nicht teilen, bis auf die SED/Linke. Deren Sprecherin (eine Lehrerin), konnte sein Geheule sehr gut verstehen. Ich denke, wenn der Hausmeister ans Mikro getreten wäre und gesagt hätte, ich werde ausgebeutet und möchte sofort 500 Euro mehr, da hätte sie das auch unterstützt. Deshalb ist es zwar schön, daß die auch angeblich gegen den Abriß sind, dies aber auch nur deshalb, weil in der Opposition. Ansonsten klang das alles sehr halbgar.

Dezent hatte ich mit meinem Telefon zwei Fotos während der Sitzung gemacht. Das dachte ich, bis ich zuhause war. Hier stellte ich fest, daß ich mal wieder an der Technik versagte. Es war nur die Technik, kein Alkohol!

Noch ist das letzte Wort in der Stadionfrage nicht gesprochen. Einfach am Ball bleiben.

1 Kommentar:

Condu hat gesagt…

Danke für die (gelungen formulierten) Infos!
Hoffe Dich beim Besuch der nächsten Ratsitzung zum Thema begleiten zu können.
Der Kampf geht weiter....

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