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Sonntag, 19. Juni 2016
Richtung St.Denis
Rund acht Monate nach dem Länderspiel mit den Terroranschlägen, ging es wieder ins Stade de France.Heute zum Match Polen gegen Deutschland Am Kölner HBf ein Großaufgebot an Polizei. Man hätte auch glauben können, es wäre Bundesligaspieltag. Im Thalys bis Aachen blieb deutsche Polizei in den Waggons und danach stiegen dann belgische und französiche Polizisten zu. Auch an den Bahnhöfen standen einige Uniformierte, zum Teil mit Maschinengewehren im Anschlag. Aber das kuriose an der ganzen Sache war, daß es Passkontrollen gab, die man auch hätte gleich bleiben lassen können. Die Gesetzeshüter wanderten durch die Reihen und guckten sich jedes Dokument an, ohne auch nur einmal wirklich etwas prüfen. Da wäre ich mit einem Ausweis aus meinem Yps-Dedektivkasten auch durchgekommen.
Pünktlich in Paris angekommen, holte mich meine Freundin ab, die bereits mit dem Flugzeug kam. Als erstes in eine Bar gegenüber dem Bahnhof. Dort gleich 10 Euro für das Getränk abgedrückt. Preise wie in der Apotheke. Danach einchecken im Hotel. Unsere Unterkunft lag genial, nur wenige Schritte vom Gare du Nord entfernt. Typisches Bahnhofshotel, welches man aber durchaus akzeptieren konnte. Ziemlich sonderbar jedoch, daß die Absteige von 01:00 Uhr bis 07:00 Uhr ihre Pforten schließt. Der Eingang an der Brasserie wird dann einfach dicht gemacht.
Vor dem Nordbahnhof sammelte sich im Verlauf des Tages, der erlebnisorientierte deutsche Mob. Ich schätze mal wir sind etwa 150 gute Jungs gewesen. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Es gab auch keinen Zeitpunkt, an dem irgendein Angriff von Polen bevorstand. Ziemlich überraschend, daß zunächst einige Stunden, absolut gar keine Polizei vor Ort war, obwohl offensichtlich war, welche Sorte deutscher Fußball-Fans sich dort trifft. Am späten Nachmittag kam Bewegung in die Meute und es ging los. Ich mußte noch schnell meine Freundin aus dem Bett holen, da sie sich zwischenzeitlich hingelegt hatte. Der ganze Mob also in den Bahnhof und sämtliche Sperren überwunden. Leider versagte dann die Organisation vollends! Es wurde nicht der Richtige Zug gefunden und die Gruppe splitterte sich auf, auch deswegen, weil nun auch die Polizei Wind von der Gruppe bekam. Am Stadion regnte es nun wieder und so mußte man auf das nächste Bier noch ein paar Minuten warten. Die Preise im Umfeld des Stadions wieder schweineteuer.
Um ins Stadion zu gelangen, mußte man zwei oder drei Sperriegel überwinden. Besonders streng war das auch nicht. Im Stadion hatte man diesmal aber sogar Blöcke getrennt. Mit etwas Geschick, schafften wir es uns ganz nach oben zusammenzusetzen. Wie bei einem Franchise Unternehmen, so läuft auch bei der UEFA alles gleichgeschaltet ab. Selbe Musik, gleiche unnötige Show vor dem Spiel, das dämliche Zählen vor dem Anpfiff, oder auch die dauernde Belehrung, daß man nicht rauchen darf. Überlegt man sich, daß die UEFA, genauso wie die FIFA, eine kriminelle Vereinigung ist, dann mutet es schon sehr dreist an, Fußball-Fans so etwas banales, wie das rauchen zu verbieten und sich auch sonst so Oberlehrerhaft aufzuspielen. Die FIFA/UEFA hat vielleicht vergessen, daß man solche Turniere auch von nichtkriminellen Austragen lassen kann. Immerhin zahlt der Fußball-Fan ihr Luxusleben, weil man eine Art Geisel dieser Verbrecher ist. Trotzdem hoffe ich, daß sich auf diesem Gebiet bald wirklich etwas ändern wird.
Das Spiel selbst sehr durschnittlich. Die Stimmung bei den polnischen Fans sehr gut. Auf deutscher Seite Mau. Die Polen haben natürlich den Vorteil, daß sie überall verstreut in Europa wohnen und arbeiten und daher fast überall in Westeuropa Heimspiele haben. Egal, vom Support her sind sie sehr gut!
Nach dem Abpfiff zurück zum Bahnhof. Hier standen unzählige Menschen und warteten darauf ein Zugticket zu kaufen. Das hätte unendlich lange gedauert. Also wieder durch die Schranken durchgeschlüpft und ab zum Gare du Nord. Die UEFA-Mafia sollte überhaupt am Spieltag die Eintrittskarte gleich Nahrverkehrskarte machen. Das würde einiges Theater ersparen und kostet auch nicht viel Geld. Aber das Geld behalten diese Fußballverbrecher lieber für sich selbst. Vor dem Bahnhof war ich erstaunt, daß dort auf einmal so viel Polizei war. Etwas später vor unserer Kneipe erfuhr ich, daß es während des Spiels dort zu Auseinandersetungen zwischen deutschen und walisern gekommen war. Die Waliser kamen aus Lens vom Spiel gegen England und griffen die Deutschen an. Der Angriff wurde aber zurückgeschlagen und so gewann Deutschland wenigstens dieses Match.
Zum Abschluß noch ein wenig Bier getrunken und vor Sperrstunde ab ins Zimmer. Am nächsten Morgen kam in Paris sogar manchmal die Sonne raus. Das Wetter könnte wirklich besser sein. Es geht auf Juli zu, doch häufig denkt man sich, es ist noch April.
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