Seit zwei Tagen bin ich wieder zuhause, was soll man nun alles schreiben? Es war so viel, daß dies hier wirklich nur ein kleiner Bruchteil sein kann.
Unser nächstes Spiel hatten wir in Belo Horizonte. Es war das Halbfinale Brasilien - Deutschland. Mit Leihwagen wurde die Strecke, bei der es auch über viele Berge ging, bewältigt. Eine ziemlich nervige Fahrt. Ich persönlich ziehe da die bequemen und günstigen Busse vor. So Autobahnen wie in Deutschland gibt es in Brasilien eigentlich nicht. Immer wieder muss man auf Schneckentempo umschalten, da künstliche Erhebungen in die Strassen eingebaut wurden. Ein drüberbrettern hätte verheerende Folgen. Im Auto eine sehr zähe Sache. Vorteil war die Ungebundenheit. Als Hotel nahmen wir so eine Art Liebes- Bumshotel. Hier steigen Brasilianer für eine Stunde 12 Stunden oder 24 Stunden ab und haben anonymen Sex. Man fährt mit dem Auto in einen Innenhof und parkt danach in einer Garage, die man verschliessen kann. Dann ab ins Zimmer und es kann losgehen. Wir haben uns für diese Variante entschieden, da sie bedeutend günstiger war als alle "normalen" Hotels mit fast durchweg Phantasiepreisen. Ausserdem sind diese Only Adult Hotels wirklich brauchbar. Grosse saubere Zimmer, mit allem was man so braucht. Unsere Fussball Combo verhielt sich eher nicht anonym und soff an der Theke Bier und Schnaps bzw. qualmte die Bude zu. Und das obwohl rauchen in Kneipen eigentlich verboten ist. Zwischendurch hatte es sich wohl rumgesprochen, dass eine Fussballmeute dort verkehrt, denn es tauchte eine Gruppe bewaffneter Polizisten auf und sah nach dem rechten. Verlief alles ganz easy und ein paar Minuten später waren sie hinter dem Eingangstor wieder verschwunden. Nun folgte der grosse Tag mit dem Halbfinale gegen den Gastgeber. Am Vormittag sammelten wir uns und bekamen mit, wie das geheime Liebeshotel vollkommen zur bizarren Farce wurde, denn nun tauchte sogar ein TV Team auf, welches dort ein Zimmer buchte. Ein Haufen lauter Fussball-Fans und das Fernsehen. Da hat sich so mancher Gast bestimmt gar nicht mehr aus seinem Zimmer getraut.
Am Stadion dominierte die Farbe gelb. Die Brasilianer absolut siegessicher. Als ich im Stadion herumwanderte kam ich mir vor, wie auf einem Rummelplatz. Die Sponsoren ballerten mit lauter Musik, hatten überall Zelte aufgebaut und lockten die Zuschauer mit Klamauk. Wirkte etwas befremdlich. Das Stadioninnere eine gelbe Wand mit der kleinen Bastion deutscher-Fans. Immer mal wieder provozierten auch Brasilianer, doch die Ernüchterung sollte folgen. Das Jahrhundertspiel began. Spätestens ab dem 0:2 waren die brasilianischen-Fans wie in Schockstarre, während bei den deutschen eine grandiose Stimmung herrschte. Dauergesang und ein Tor nach dem anderen. Sowas hat man wirklich noch nie gesehen. Deutschland hätte durchaus noch mehr Tore schießen können. Nach Abpfiff kam unsere Mannschaft, wie immer, mal kurz an die Werbebande und war auch bald wieder verschwunden. Von deutscher Seite wurde ständig gefordert, die Mannschaft nochmal sehen zu wollen, doch das ist dann wohl zu viel verlangt. Nach einer halben Stunde kam wenigstens Klose nochmal und nach über einer Stunde dann der Höhepunkt. Kevin Großkreutz kam nicht nur raus, sondern er traute sich sogar bis über die Werbebande um mit den vielen verbliebenen deutschen-Fans noch eine Uffta (West-Humba) abzuhalten. Grosser Respekt vor dem Dortmunder, der wirklich ein Herz in der Kurve hat. Ansonsten muss man feststellen, daß es wohl kein Land dieser Erde gibt, in der die Beziehung zwischen Spielern und Fans lächerlicher ist als in Deutschland. Wir dürfen nicht zweistellig gewinnen und wir dürfen uns auch nicht richtig freuen. Zum Glück gilt das nur für die Spieler, denn bei uns war die Stimmung grandios. Echtes Fußball-Feeling. Mit so einem grandiosen Spiel hat bestimmt niemand gerechnet.
Im Puff wurde noch abgefeiert und am nächsten Morgen ging es wieder mit dem PKW zurück nach Rio de Janeiro. Dort haben wir uns wieder in ein Liebeshotel bis zum Tag nach dem Endspiel eingebucht. Das Hotel lag zwar nähe Internationaler Flughafen im Ort Caixa recht weit ausserhalb, dafür aber bezahlbar, was für die sonstigen Hotels in Rio, zu diesem Zeitpunkt nicht galt.
Die nächsten Tage bis zum Endspiel trieben wir uns hauptsächlich in den Ortsteilen Botafogo, Copacapana oder Flamengo rum. Am Abend vor dem Endspiel waren auf der Copacapana zigtausende Fußball-Fans unterwegs, darunter Massen an Argentiniern. Hauptproblem war nun die Kartenbeschaffung für deutsche-Fans, die ohne Karte vor Ort waren. Vom DFB wurden an normale Fans überhaupt keine Karten ausgegeben, sieht man mal von ein oder zwei Tagesfliegern aus Deutschland ab. Mich würde eine öffentliche Auflistung des DFB Kartenkontingentes brennend interessieren. Die Schwarzmarktpreise lagen teilweise bei startend 3000 bis 4000 Euro für eine Karte. Bekommen haben unsere Problemfans die Karten dann schlußendlich für rund 1300 bis 1500 Euro. Sehr viel Geld!
Am Finaltag ab nach Maracana und in die Kneipe vom Viertelfinale gegen Frankreich. Diese lag außerhalb der FuckFifa Banmeile, wo alles verboten war. Die Polizei mit vielen Hubschraubern und Bodentruppen im Einsatz. Auf dem Hinweg konnten wir schon sehen, wie bestimmte Bezirke mit Panzern abgeriegelt bzw bewacht wurden. Militär mit Maschinengewehren in der Hand war dort keine Seltenheit.
Im Stadion klare argentinische Fanübermacht aber auch einige deutsche hatten es geschafft. Die Argentiner kamen teilweise mit brachialen Gesängen rüber, doch konstant angefeuert haben eigentlich die Deutschen. Das Spiel dürfte jeder gesehen haben. Nach Abpfiff totale Freude pur!!! Wir sind wieder Weltmeister!!!! Sogar unsere Spieler kamen diesmal nicht nur für die üblichen 30 Sekunden an die Werbebande, sondern bewiesen, dass auch sie feiern können, wenn man sie nur lässt. Später zurück in unsere Kneipe und Siegesfeier!
Am nächsten Morgen hiess es Abschied nehmen von Rio. Ich musste dabei erstmal wieder in den Süden nach Porto Alegre fliegen und von dort nach Sao Paulo. Hier traf ich auch wieder auf Wackel und Riesa, die genauso wie ich mit der TAM den Nachtflieger nach Frankfurt nehmen wollten. Der Rückflug ziemlich turbulent. Über eine lange Phase rappelte es gewaltig und auch die Stewardessen mussten angeschnallt auf ihren Sitzen bleiben. Es ging aber alles gut und über Frankfurt tingelte ich dann mit Busse und Bahn zurück nachhause.
Nun sind wir Weltmeister und es herrscht eine gewaltige Freude! Auch wenn der DFB weiterhin nicht gerade positiven Fanspirit versprüht, so haben sie ihren Job erfüllt und unser Land zum Weltmeister gemacht. Da kann ich dann nur meinen Hut ziehen und mich bedanken! Sollten wir in Frankreich 2016 Europameister werden, dann können die dort auch gerne eine ganze Stadt bauen. Ich stehe zwar nicht auf solche Sachen, doch wenn es zum Erfolg führt ist es mir recht.
Was bleibt ist die Freude, dass sich für mich, über einen Monat lang leben in Brasilien, mit all dem vielen Stress, Ärger, Geld ausgeben und sonstigen Unannehmlichkeiten, gelohnt hat. Natürlich gab es auch viele tolle Momente aber der Endsieg hat alles rausgerissen!
Das Ganze war nicht nur ein Sieg für mich, sondern auch ein Sieg für unser Land!
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| Salvador da Bahia: Portugal - Deutschland | | | | | | |
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| Fortaleza: Ghana - Deutschland |
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| Recife: USA - Deutschland |
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| Porto Alegre: Algerien - Deutschland |
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| Rio de Janeiro: Frankreich - Deutschland |
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| Belo Horizonte: Brasilien - Deutschland |
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| Rio de Janeiro: Argentinien - Deutschland |
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